500 Bälle aber nur ein Schläger!

29.09.2010 19:08

Minigolf-Weltmeister Templin. SPIEGEL ONLINE / Das Interview führt Ronny Galczynski.

Mehr als 20 Millionen Bundesbürger spielen Minigolf. Marco Templin ist einer von ihnen und amtierender Weltmeister. Mit SPIEGEL ONLINE spricht der Champion vor dem Start der WM in Odense über gekühlte Bälle, Psychotricks und das strenge Doping-Überwachungssystem.

SPIEGEL ONLINE: Herr Templin, bei der WM 2007 im italienischen Canegrate wurden Sie Minigolf-Weltmeister im Einzel und mit der Mannschaft. Welche Chancen rechnen Sie sich in diesem Jahr in Dänemark aus?

Templin: Der Fokus liegt auf dem Erfolg der Mannschaft. Im Einzel ist alles möglich, aber ein Platz unter den ersten Zehn ist Pflicht.

SPIEGEL ONLINE: Spitzenspieler schaffen nahezu jede Bahn mit einem Ass, also einem einzigen Schlag. Wie entscheidend sind Tagesform und äußere Umstände dabei?

Templin: Die Spitze im Minigolfsport liegt sehr eng beisammen. Daher entscheiden häufig Kleinigkeiten über Sieg und Niederlage natürlich auch die Tagesform.

SPIEGEL ONLINE: Einige Akteure haben bis zu 1500 verschiedene Spielbälle in ihrem Fundus Sie selbst begnügen sich mit 500. Ist das eher ein Spleen oder werden die alle auch mal benutzt?

Templin: Die Bälle werden schon alle eingesetzt, ob im Training oder im Turnier. Man muss aber seine Bälle sehr genau kennen, sie haben unterschiedliche Eigenschaften wie Sprunghöhe, Härte, Gewicht und Größe. Man behält so den Überblick wie ein DJ über seine CD-Sammlung.

SPIEGEL ONLINE: Und warum arbeitet man nicht, wie beim Rasen-Golf, auch mit verschiedenen Schlägern?

Templin: Wir spielen mit einem ähnlichen Schlagtempo, so wie die Rasengolfer beim Putten. Dort wird auch nur ein Schläger benutzt, der Putter. Darum brauchen wir keine Spezialschläger. Aber eine Spezialanfertigung ist mein Schläger schon. Länge, Gewicht und Neigungswinkel sind exakt auf meine Bedürfnisse abgestimmt.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt Spielerinnen, die ihre Minigolfbälle zum Aufwärmen in ihren BH stecken und Spieler, die die Bälle in Kühltaschen von Loch zu Loch schleppen. Was soll das bringen?

Templin: Die Bälle bestehen aus einer Gummimischung, deren Eigenschaften sich je nach Temperatur verändern. Durch Kühlen wird der Ball härter und träger, durch Erwärmung dagegen lauffreudiger und weicher. Dadurch kann man sein Ballmaterial zielgerichteter je nach Witterung einsetzen.

SPIEGEL ONLINE: Das Regelwerk des Deutschen Minigolf-Verbandes umfasst fast 200 Seiten allein 43 davon sind Anti-Doping-Bestimmungen. Verraten Sie uns doch mal, was bei einem Leistungsspieler theoretisch an Doping möglich ist.

Templin: Alle Mittel, die beruhigend, pulssenkend und angstoder nervositätshemmend wirken, wären als Doping möglich und sind auch nicht erlaubt.

SPIEGEL ONLINE: Und wie sieht beim Minigolf das Überwachungssystem hierfür aus?

Templin: Wir unterliegen wie alle anderen Sportverbände, die dem Deutschen Olympischen Sportbund angehören, den strengen Dopingauflagen der Nada, beziehungsweise der Wada, und müssen darum auch in unserer Freizeit rund um die Uhr mit Kontrollen rechnen.

SPIEGEL ONLINE: Legales Doping ist die mentale Vorbereitung. Wie sieht die bei ihnen aus?

Templin: Indem ich mich mit Musik und Filmen einstimme. Dies ist aber von Spieler zu Spieler unterschiedlich. Einige bevorzugen eher die ruhigere Variante, um ausgeglichen und gelassen in ein Turnier zu gehen. Ich persönlich versuche sogar, eine gesunde Aggressivität aufzubauen.

SPIEGEL ONLINE: Wie sehen denn Ihre besten Psychotricks aus, mit denen Sie Ihre Gegner beeindrucken wollen?

Templin: Die behalte ich besser für mich (lacht). Umgekehrt bin ich persönlich für Psychotricks der Gegner nicht empfänglich das prallt an mir ab.

SPIEGEL ONLINE: Wie oft und wie lange in der Woche trainieren Sie normalerweise und wie viel häufiger vor großen Veranstaltungen?

Templin: Normalerweise einbis zweimal in der Woche. Vor großen Wettkämpfen trainieren wir bis zu zwei Wochen vorher täglich. Dabei investieren Spitzenminigolfer nahezu den kompletten Jahresurlaub und auch einige Euro in ihren Sport.

SPIEGEL ONLINE: Spitzenspieler reisen zu größeren Turnieren mit Psychologen und Physiotherapeuten an. Warum ist das notwendig?

ANZEIGE Templin: Wie bereits erwähnt, ist die Leistungsdichte im Minigolfsport sehr groß. Deshalb versucht man, sich hierdurch einen Vorteil zu verschaffen.

SPIEGEL ONLINE: Wie reagieren Sie eigentlich, wenn Freunde am Wochenende zur fröhlichen Minigolfsause einladen?

Templin: Wenn ich überhaupt noch eingeladen werde, freue ich mich natürlich (lacht). Denn zu wissen, dass man gewinnt, kommt nicht allzu häufig vor.

Film-Impressionen von der Minigolf-Weltmeisterschaft in Odense/Dänemark HIER!

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